Dieser Cholesterin-Mythos stimmt nicht: „Ein hoher Cholesterinwert ist nicht so schlimm.“
Viele Menschen glauben noch immer, dass Cholesterin überschätzt wird. Aussagen wie „Mein Cholesterin ist zwar hoch, aber meine anderen Blutwerte sind gut“ oder „Cholesterin braucht der Körper doch“ sind weit verbreitet.
Tatsächlich benötigt unser Körper Cholesterin. Es ist ein wichtiger Baustein für Zellmembranen, Hormone und Gallensäuren. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein dauerhaft erhöhter LDL-Cholesterinwert harmlos ist.
Das 2025 Focused Update der europäischen ESC/EAS-Leitlinien zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen bestätigt erneut mit hoher wissenschaftlicher Evidenz: LDL-Cholesterin ist eine der wichtigsten Ursachen für Arterienverkalkung (Atherosklerose). Je niedriger das LDL bei Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko ist, desto geringer ist das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen. (Escardio)
Mythos: „Cholesterin allein sagt nichts aus.“
Das stimmt nur teilweise.
Gesamtcholesterin alleine reicht tatsächlich nicht aus, um das individuelle Risiko einzuschätzen. Entscheidend ist vor allem:
- LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“)
- HDL-Cholesterin
- Triglyceride
- weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen
Der Mythos besteht darin, daraus abzuleiten, dass LDL deshalb unwichtig sei. Genau das ist wissenschaftlich nicht haltbar.
Die Leitlinien betonen ausdrücklich:
LDL-Cholesterin ist ein ursächlicher Risikofaktor für Arteriosklerose.
Mit anderen Worten:
Das LDL-Cholesterin ist nicht nur eine statistische Verbindung, sondern eine direkte Ursache für Gefäßverkalkungen. (Oxford Academic)
Warum LDL so gefährlich sein kann
LDL transportiert Cholesterin durch den Blutkreislauf.
Ist dauerhaft zu viel LDL vorhanden, kann es in die Gefäßwand eindringen.
Dort beginnt ein schleichender Prozess:
- Entzündung der Gefäßwand
- Bildung von Fettablagerungen
- zunehmende Verengung der Arterien
- instabile Plaques
- Verschluss eines Gefäßes
Die Folgen können sein:
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Durchblutungsstörungen der Beine
- Koronare Herzkrankheit
Dieser Prozess entwickelt sich häufig über Jahrzehnte, ohne Beschwerden zu verursachen.
Die wichtigste Erkenntnis der aktuellen Leitlinien
Die europäischen Fachgesellschaften unterstreichen erneut einen der am besten belegten Zusammenhänge der modernen Herzmedizin:
Je niedriger das LDL-Cholesterin, desto geringer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Dabei gilt:
- Es gibt keinen Hinweis darauf, dass medizinisch erreichte niedrige LDL-Werte schädlich sind.
- Jede zusätzliche Senkung reduziert das Risiko weiter.
- Besonders Menschen mit bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung profitieren erheblich von einer konsequenten LDL-Senkung.
Neu im 2025-Update
Das Focused Update bestätigt die bisherigen Empfehlungen und ergänzt sie um neue wissenschaftliche Erkenntnisse.
Besonders hervorgehoben werden:
- frühzeitiger Einsatz einer Kombinationstherapie aus hochdosiertem Statin und Ezetimib bei Hochrisikopatienten
- schnellere Intensivierung der Therapie nach einem akuten Koronarsyndrom
- stärkere Berücksichtigung von Lipoprotein(a) [Lp(a)] als zusätzlichem Risikofaktor
- neue Evidenz für moderne LDL-senkende Medikamente wie PCSK9-Inhibitoren und Inclisiran bei geeigneten Patienten.
Bedeutet das, dass jeder Medikamente braucht?
Nein.
Die Behandlung richtet sich immer nach dem individuellen Gesamtrisiko.
Bei Menschen mit niedrigem Risiko stehen zunächst im Vordergrund:
- ausgewogene Ernährung
- regelmäßige Bewegung
- Normalgewicht
- Rauchstopp
- Blutdruckkontrolle
Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder besteht bereits ein hohes Risiko, empfehlen die Leitlinien zusätzlich eine medikamentöse LDL-Senkung.
Ein weiterer häufiger Irrtum
Immer wieder hört man:
„Ich merke nichts – also kann mein Cholesterin nicht gefährlich sein.“
Genau darin liegt das Problem.
Erhöhte LDL-Werte verursachen normalerweise keine Beschwerden.
Die Gefäßverkalkung entwickelt sich oft über viele Jahre unbemerkt.
Der erste Hinweis kann bereits ein:
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- plötzlicher Herztod
sein.
Deshalb sind regelmäßige Blutuntersuchungen und eine individuelle Risikobeurteilung so wichtig.
Fazit
Der Mythos, dass Cholesterin kein ernstes Problem sei, hält sich hartnäckig.
Die wissenschaftliche Evidenz ist heute jedoch so eindeutig wie kaum zuvor:
- LDL-Cholesterin verursacht Arteriosklerose.
- Eine Senkung des LDL reduziert nachweislich Herzinfarkte und Schlaganfälle.
- Je höher das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko, desto wichtiger ist eine konsequente Behandlung.
- Lebensstil und moderne Medikamente ergänzen sich – sie schließen sich nicht gegenseitig aus.
Wer seinen Cholesterinwert kennt und gemeinsam mit seiner Ärztin oder seinem Arzt richtig einordnet, kann viel für seine langfristige Herzgesundheit tun.
Quellen
- European Society of Cardiology – 2025 Focused Update of the ESC/EAS Dyslipidaemia Guidelines
- European Heart Journal – Originalpublikation der Leitlinie
Über den Autor
Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher
Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.
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Aktualität
Erstellt am: 17. August 2026
Autor: Dr. Alois Süssenbacher
Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher
Geplante Überprüfung: August 2027