Proteinshake, Elektrolytgetränk, Energy-Drink oder Pre-Workout-Booster: Rund um das Training werden heute zahlreiche Getränke angeboten, die mehr Energie, bessere Leistung oder schnellere Regeneration versprechen.
Doch „Fitness“ auf der Verpackung bedeutet nicht automatisch, dass ein Getränk auch gut für Herz und Gefäße ist.
Vor allem bei Energy-Drinks, stark koffeinhaltigen Pre-Workout-Produkten und zuckerreichen Sportgetränken lohnt sich ein genauer Blick. Denn wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass einige dieser Getränke den Blutdruck erhöhen, die elektrische Aktivität des Herzens beeinflussen oder bei regelmäßigem Konsum mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko verbunden sein können.
1. Energy-Drinks: problematisch für Blutdruck und Herzrhythmus
Energy-Drinks werden längst nicht mehr nur beim Feiern oder während langer Nächte getrunken. Viele Menschen verwenden sie auch vor dem Training als schnellen Leistungs- und Wachmacher.
Der wichtigste Wirkstoff ist meist Koffein, häufig kombiniert mit weiteren Inhaltsstoffen wie Taurin, Guarana und Zucker.
Gerade die Kombination verschiedener Inhaltsstoffe unterscheidet Energy-Drinks von einer normalen Tasse Kaffee.
Eine 2025 im Current Cardiology Reports veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit untersuchte 37 Studien mit insgesamt 1.597 Teilnehmern. In einem erheblichen Anteil der Studien wurden nach dem Konsum von Energy-Drinks Veränderungen beobachtet: unter anderem ein Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck sowie Veränderungen der QTc-Zeit im EKG.
Auch eine Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien zeigte einen messbaren Blutdruckanstieg. Etwa 60 bis 80 Minuten nach dem Konsum war der systolische Blutdruck im Mittel um rund 4,7 mmHg höher. Der diastolische Blutdruck stieg ebenfalls an.
Das klingt zunächst nach wenig. Doch gerade bei Menschen, die ohnehin einen hohen Blutdruck haben oder zu Herzrhythmusstörungen neigen, können zusätzliche Kreislaufbelastungen relevant sein.
2. Besonders kritisch: viel Koffein direkt vor dem Training
Beim Sport steigen Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffbedarf des Herzens ohnehin an.
Wer unmittelbar davor größere Mengen stimulierender Substanzen konsumiert, kombiniert damit zwei Belastungen für das Herz-Kreislauf-System.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Energy-Drinks fand Veränderungen verschiedener elektrokardiographischer Parameter. Die Autoren kommen deshalb zu dem Schluss, dass insbesondere bei Risikopersonen Vorsicht angebracht ist.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Energy-Drink automatisch eine gefährliche Herzrhythmusstörung auslöst. Bei einem gesunden Menschen ist das absolute Risiko eines schweren Ereignisses nach einer einzelnen Dose wahrscheinlich gering.
Problematischer können hohe Mengen, mehrere Dosen hintereinander und individuelle Risikofaktoren sein.
Besondere Vorsicht ist beispielsweise sinnvoll bei:
- bekanntem Bluthochdruck,
- Herzrhythmusstörungen,
- bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- hoher individueller Koffeinempfindlichkeit,
- gleichzeitiger Einnahme weiterer stimulierender Substanzen.
3. Pre-Workout-Booster: Der Inhalt entscheidet
Noch schwieriger wird die Beurteilung bei sogenannten Pre-Workout-Produkten.
Sie enthalten häufig Mischungen aus Koffein, Beta-Alanin, Kreatin, Aminosäuren und weiteren Substanzen. Manche Produkte enthalten zusätzlich stimulierende Inhaltsstoffe.
Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit untersuchte 24 Studien zu Multi-Ingredient-Pre-Workout-Produkten. Koffein war in 22 der untersuchten Studien Bestandteil der Produkte; die Dosierungen lagen teilweise bei bis zu 400 mg. Insgesamt waren die Ergebnisse hinsichtlich der kardiovaskulären Auswirkungen jedoch uneinheitlich.
Deshalb wäre es wissenschaftlich nicht korrekt, alle Pre-Workout-Produkte grundsätzlich als herzschädlich zu bezeichnen.
Ein besonderes Warnsignal gibt es allerdings bei Produkten mit Synephrin.
Eine Auswertung veröffentlichter Fallberichte identifizierte 35 Personen mit Beschwerden nach Einnahme synephrinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel. Häufig beschrieben wurden Brustschmerzen, Herzklopfen, Ohnmacht und Schwindel; zu den berichteten Diagnosen gehörten unter anderem Herzrhythmusstörungen, ischämische Herzerkrankungen und zerebrovaskuläre Erkrankungen. (
Wichtig dabei: Fallberichte können einen Zusammenhang aufzeigen, aber keinen sicheren Beweis liefern, dass Synephrin die Erkrankungen verursacht hat. Häufig waren weitere Faktoren wie Koffein beteiligt.
4. Das unterschätzte Problem: Zucker im Sportgetränk
Nicht jedes problematische Fitnessgetränk enthält große Mengen Koffein.
Auch klassische Sportgetränke können erhebliche Mengen Zucker enthalten. Bei einer langen und intensiven Ausdauerbelastung können Kohlenhydrate und Elektrolyte durchaus sinnvoll sein.
Wer aber 30 oder 45 Minuten moderat trainiert und anschließend routinemäßig ein stark gezuckertes Sportgetränk konsumiert, braucht diese zusätzliche Energie häufig nicht.
Das Problem liegt dabei weniger in einer einzelnen Flasche als im regelmäßigen Konsum zuckerhaltiger Getränke.
Große Meta-Analysen prospektiver Kohortenstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen zuckergesüßten Getränken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Analyse von 34 Studien war jede zusätzliche tägliche Portion eines zuckergesüßten Getränks mit einem rund 9 Prozent höheren relativen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.
Eine weitere Meta-Analyse kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Eine zusätzliche Portion zuckergesüßter Getränke pro Tag war sowohl mit einer um etwa 8 Prozent höheren Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch mit einer um etwa 8 Prozent höheren kardiovaskulären Sterblichkeit assoziiert.
Dabei handelt es sich überwiegend um Beobachtungsdaten. Sie beweisen für den einzelnen Menschen keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung und die Übereinstimmung verschiedener Untersuchungen sprechen jedoch dafür, den regelmäßigen Konsum zuckerhaltiger Getränke möglichst gering zu halten.
„Zero“ ist nicht automatisch die perfekte Lösung
Naheliegend wäre der Gedanke: Dann nehme ich einfach die zuckerfreie Variante.
Auch hier ist die Datenlage komplizierter.
In Beobachtungsstudien findet sich teilweise auch zwischen regelmäßigem Konsum künstlich gesüßter Getränke und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beziehungsweise kardiovaskulärer Sterblichkeit ein Zusammenhang. Eine aktuelle Meta-Analyse von elf prospektiven Kohorten mit mehr als zwei Millionen Teilnehmern fand bei hohem gegenüber niedrigem Konsum eine höhere kardiovaskuläre Sterblichkeit. (
Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass Süßstoffe diese Erkrankungen verursachen.
Menschen mit Übergewicht, Diabetes oder anderen Risikofaktoren greifen beispielsweise häufiger bewusst zu zuckerfreien Getränken. Solche Effekte – sogenannte reverse causation und verbleibende Störfaktoren – erschweren die Interpretation der Beobachtungsstudien.
Wer von einem stark gezuckerten Getränk auf eine zuckerfreie Variante umsteigt, reduziert zumindest seine Zucker- und Kalorienaufnahme. Noch besser als tägliches Soft- oder Energy-Drink-Trinken ist für die meisten Menschen aber eine wesentlich einfachere Lösung.
Was solltest du beim Sport trinken?
Für einen großen Teil der normalen Trainingseinheiten ist das beste Fitnessgetränk erstaunlich unspektakulär:
Wasser.
Wer weniger als etwa eine Stunde moderat trainiert, benötigt normalerweise weder einen Energy-Drink noch einen zuckerreichen Sportdrink.
Bei langen oder sehr intensiven Belastungen können dagegen Getränke mit Kohlenhydraten und Elektrolyten sinnvoll sein. Hier geht es aber um eine gezielte Versorgung während einer entsprechenden sportlichen Belastung – nicht darum, dass ein süßes Getränk durch die Aufschrift „Sport“ automatisch gesund wird.
Auch Kaffee beziehungsweise Koffein muss nicht grundsätzlich vermieden werden. Koffein kann die sportliche Leistungsfähigkeit verbessern. Entscheidend sind Dosis, individuelle Verträglichkeit und mögliche Vorerkrankungen. Die Risiken eines hoch dosierten Energy- oder Pre-Workout-Drinks lassen sich deshalb nicht einfach auf normalen Kaffeekonsum übertragen.
Fazit
Fitnessgetränk ist nicht gleich Fitnessgetränk.
Besonders kritisch sollte man drei Gruppen betrachten:
Energy-Drinks können akut Blutdruck und andere kardiovaskuläre Parameter verändern.
Stark stimulierende Pre-Workout-Produkte, insbesondere Mischungen mit hohen Koffeinmengen oder zusätzlichen Stimulanzien wie Synephrin, verdienen besondere Vorsicht.
Zuckerreiche Sportgetränke können bei regelmäßigem Konsum Teil einer hohen Aufnahme zuckergesüßter Getränke sein – und diese ist in großen Beobachtungsstudien mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. (PubMed Central (PMC))
Die Aufschrift „Energy“, „Performance“, „Workout“ oder „Fitness“ macht ein Getränk also noch lange nicht herzgesund.
Für die meisten alltäglichen Trainingseinheiten bleibt Wasser die einfachste und häufig beste Wahl.
Quellenauswahl: Mandato J et al., Current Cardiology Reports, 2025; Nadeem IM et al., systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Energy-Drinks und elektrokardiographischen Veränderungen; systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen zu Energy-Drinks, Pre-Workout-Supplementen sowie zucker- und kalorienarm gesüßten Getränken. (Springer)
Über den Autor
Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher
Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.
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Aktualität
Erstellt am: 20. August 2026
Autor: Dr. Alois Süssenbacher
Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher
Geplante Überprüfung: August 2027