Viele Erkrankungen machen lange Zeit keine Beschwerden. Genau deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig.

Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs, Bluthochdruck oder Osteoporose haben eines gemeinsam: Sie können bereits vorhanden sein oder sich entwickeln, lange bevor man selbst etwas davon bemerkt.

Vorsorge bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Untersuchungen durchführen zu lassen. Gute Vorsorge bedeutet, die richtigen Untersuchungen zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen.

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt unter anderem von Alter, Vorerkrankungen und familiärer Belastung ab. Einige Untersuchungen sollten Frauen aber besonders im Blick behalten.

1. Gebärmutterhalskrebs: Veränderungen erkennen, bevor Krebs entsteht

Gebärmutterhalskrebs ist ein gutes Beispiel dafür, wie wirkungsvoll Vorsorge sein kann.

Die meisten Fälle stehen im Zusammenhang mit einer länger anhaltenden Infektion mit bestimmten Typen des Humanen Papillomavirus (HPV). Solche Infektionen sind sehr häufig und verschwinden meistens von selbst.

Bleibt eine Infektion mit einem Hochrisiko-HPV-Typ jedoch bestehen, können sich über Jahre Zellveränderungen entwickeln. Aus diesen Veränderungen kann schließlich Gebärmutterhalskrebs entstehen.

Das Entscheidende daran:

Diese Vorstufen können entdeckt werden, bevor daraus Krebs wird.

Dafür stehen vor allem der PAP-Abstrich und HPV-Tests zur Verfügung. Beim PAP-Abstrich werden Zellen vom Gebärmutterhals entnommen und anschließend auf Veränderungen untersucht.

In Österreich wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung derzeit bereits ab dem 18. Lebensjahr ein PAP-Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs empfohlen.

Wichtig:

Auch Frauen, die gegen HPV geimpft wurden, sollten die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen. Die Impfung reduziert das Risiko erheblich, bietet aber keinen vollständigen Schutz gegen alle HPV-Typen, die Krebs verursachen können.


2. Brustkrebs: Die Mammografie kann Tumoren entdecken, die noch nicht tastbar sind

Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen.

Das Problem: Ein kleiner Brusttumor verursacht häufig keinerlei Beschwerden. Man fühlt sich vollkommen gesund und kann möglicherweise auch selbst noch keinen Knoten ertasten.

Genau hier liegt der Vorteil der Mammografie.

Mit dieser Röntgenuntersuchung können Veränderungen im Brustgewebe sichtbar werden, bevor sie mit der Hand tastbar sind.

In Österreich können Frauen im Rahmen des Brustkrebs-Früherkennungsprogramms regelmäßig eine qualitätsgesicherte Mammografie durchführen lassen. Insbesondere Frauen zwischen 45 und 74 Jahren werden regelmäßig eingeladen; auch Frauen ab 40 Jahren können unter den entsprechenden Voraussetzungen am Programm teilnehmen.

Für die typische Screening-Altersgruppe erfolgt die Untersuchung in der Regel alle zwei Jahre.

Die Mammografie ist nicht perfekt

Das sollte ebenfalls offen angesprochen werden.

Es können Veränderungen gefunden werden, die sich später als harmlos herausstellen. Dadurch entstehen manchmal zusätzliche Untersuchungen und verständlicherweise auch Sorgen. Außerdem kann es zu sogenannten Überdiagnosen kommen.

Trotzdem gilt das organisierte Mammografie-Screening für Frauen der entsprechenden Altersgruppen als eine zentrale Methode der Brustkrebsfrüherkennung.

Und die Selbstuntersuchung der Brust?

Es ist sinnvoll, die eigene Brust zu kennen und auf Veränderungen zu achten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • ein neu aufgetretener Knoten,
  • Veränderungen der Brustwarze,
  • Einziehungen der Haut,
  • eine neu entstandene Veränderung der Brustform oder
  • ungewöhnliche Absonderungen aus der Brustwarze.

Die Selbstuntersuchung ersetzt jedoch keine Mammografie.

Und wichtig: Wer einen neuen Knoten oder eine andere auffällige Veränderung bemerkt, sollte nicht bis zum nächsten Vorsorgetermin warten, sondern diese ärztlich abklären lassen.


3. Darmkrebs: Vorsorge kann Krebs sogar verhindern

Bei kaum einer anderen häufigen Krebserkrankung wird der Nutzen der Vorsorge so anschaulich wie beim Darmkrebs.

Viele Darmkrebserkrankungen entwickeln sich über Jahre aus zunächst gutartigen Vorstufen – sogenannten Polypen.

Bei einer Darmspiegelung können solche Polypen entdeckt und häufig direkt entfernt werden.

Das bedeutet:

Eine Darmspiegelung kann Krebs nicht nur früh entdecken. Sie kann in bestimmten Fällen sogar verhindern, dass er überhaupt entsteht.

In Österreich stehen seit der Aktualisierung des Vorsorgeprogramms bereits ab 45 Jahren Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung zur Verfügung.

Eine Möglichkeit ist ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl. Dieser wird in der entsprechenden Altersgruppe regelmäßig durchgeführt.

Eine weitere Möglichkeit ist die Koloskopie – die Darmspiegelung. Bei unauffälligem Befund sind lange Untersuchungsintervalle möglich; im österreichischen Vorsorgeprogramm wird sie grundsätzlich im Abstand von zehn Jahren angeboten.

Menschen mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko benötigen möglicherweise frühere oder häufigere Untersuchungen. Das betrifft beispielsweise Personen mit einer entsprechenden familiären Belastung oder bestimmten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.


4. Blutdruck: Eine der einfachsten Vorsorgeuntersuchungen wird häufig unterschätzt

Nicht jede wichtige Vorsorgeuntersuchung benötigt ein Röntgengerät oder eine Darmspiegelung.

Eine der wichtigsten Untersuchungen dauert kaum länger als eine Minute:

die Blutdruckmessung.

Bluthochdruck verursacht über viele Jahre häufig überhaupt keine Beschwerden. Trotzdem kann ein dauerhaft erhöhter Blutdruck unter anderem die Gefäße, das Herz, die Nieren und das Gehirn schädigen.

Er erhöht beispielsweise das Risiko für:

  • Herzinfarkt,
  • Schlaganfall,
  • Herzschwäche,
  • Nierenerkrankungen und
  • weitere Gefäßerkrankungen.

Gerade deshalb sollte man sich nicht darauf verlassen, einen erhöhten Blutdruck zu „spüren“.

In Österreich gehört die Blutdruckmessung zur allgemeinen Vorsorgeuntersuchung, die Erwachsene ab 18 Jahren regelmäßig in Anspruch nehmen können.

Bei auffälligen Werten reicht eine einzelne Messung allerdings meist nicht aus. Dann können wiederholte Messungen zu Hause oder eine 24-Stunden-Blutdruckmessung sinnvoll sein.


5. Blutzucker und Cholesterin: Kenne dein persönliches Herz-Kreislauf-Risiko

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind keineswegs ein reines Männerproblem.

Auch Frauen können Herzinfarkte und Schlaganfälle bekommen. Das Risiko steigt insbesondere mit zunehmendem Alter und nach der Menopause deutlich an.

Deshalb gehören zur sinnvollen Vorsorge auch klassische Risikofaktoren wie:

Blutdruck, Blutzucker und Blutfette.

Bei den Blutfetten sind insbesondere LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyzeride relevant.

Ein erhöhter LDL-Cholesterinwert verursacht keine Schmerzen. Trotzdem kann er über Jahre die Entstehung von Ablagerungen in den Arterien fördern.

Ähnliches gilt für Diabetes mellitus Typ 2: Er kann lange Zeit bestehen, ohne deutliche Beschwerden hervorzurufen.

Im Rahmen der österreichischen Vorsorgeuntersuchung werden deshalb unter anderem Blutzucker und Blutfette bestimmt.

Besonders wichtig ist dabei nicht nur ein einzelner Laborwert.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie hoch ist mein gesamtes Herz-Kreislauf-Risiko?

Alter, Blutdruck, Cholesterin, Rauchen, Diabetes, Körpergewicht und andere Faktoren müssen gemeinsam betrachtet werden.


6. Osteoporose: Besonders nach den Wechseljahren wichtig

Osteoporose bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Knochen an Stabilität verlieren.

Das Tückische daran:

Man merkt davon häufig jahrelang nichts.

Der erste offensichtliche Hinweis kann deshalb bereits ein Knochenbruch sein.

Frauen sind besonders betroffen, weil nach den Wechseljahren der Östrogenspiegel sinkt. Dadurch kann der Knochenabbau beschleunigt werden.

Eine der wichtigsten Untersuchungen zur Diagnose einer Osteoporose ist die DXA-Knochendichtemessung.

Aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen der U.S. Preventive Services Task Force empfehlen ein Osteoporose-Screening bei Frauen ab 65 Jahren.

Auch jüngere Frauen nach der Menopause können von einer Knochendichtemessung profitieren, wenn ein erhöhtes Risiko besteht.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • niedriges Körpergewicht,
  • frühere Knochenbrüche,
  • Osteoporose in der Familie,
  • Rauchen,
  • bestimmte Erkrankungen oder
  • eine längerfristige Behandlung mit Medikamenten, die den Knochenabbau fördern können, etwa Glukokortikoiden.

Ob und wann eine Knochendichtemessung sinnvoll ist, sollte deshalb individuell beurteilt werden.


Welche Untersuchung in welchem Alter?

Als einfache Orientierung kann man sich folgende Punkte merken:

Ab dem jungen Erwachsenenalter:
Regelmäßige allgemeine Vorsorge mit Kontrolle von Blutdruck und wichtigen Stoffwechselwerten sowie die empfohlene gynäkologische Vorsorge einschließlich Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung.

Ab etwa 40–45 Jahren:
Brustkrebsfrüherkennung entsprechend dem nationalen Screeningprogramm zunehmend relevant.

Ab 45 Jahren:
Darmkrebsfrüherkennung mittels Stuhltest beziehungsweise Koloskopie entsprechend dem österreichischen Vorsorgeprogramm.

Ab 65 Jahren:
Osteoporose-Screening beziehungsweise Beurteilung des individuellen Frakturrisikos besonders beachten.

Diese Altersangaben sind jedoch keine starren Grenzen.

Bei familiärer Vorbelastung, genetischem Risiko, bestimmten Vorerkrankungen oder auffälligen Beschwerden können Untersuchungen wesentlich früher notwendig sein.


Mehr Vorsorge ist nicht automatisch bessere Vorsorge

Ein wichtiger Punkt wird in Diskussionen über Vorsorge häufig vergessen.

Man könnte glauben:

Je mehr Untersuchungen ich machen lasse, desto sicherer bin ich.

Medizinisch stimmt das nicht.

Jede Screeninguntersuchung kann auch Nachteile haben. Dazu gehören falsch-positive Ergebnisse, unnötige Folgeuntersuchungen, Überdiagnosen oder – je nach Untersuchung – Komplikationen.

Deshalb empfehlen medizinische Fachgesellschaften nicht einfach möglichst viele Tests.

Empfohlen werden Untersuchungen, bei denen wissenschaftliche Daten zeigen, dass bei der jeweiligen Personengruppe der erwartete Nutzen die möglichen Nachteile überwiegt.

Genau deshalb spielen Alter und individuelles Risiko eine so große Rolle.


Vorsorge ist mehr als Krebsfrüherkennung

Bei „Vorsorge“ denken viele Menschen zuerst an Krebs.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch, Risikofaktoren zu erkennen, bevor daraus eine Erkrankung entsteht.

Ein erhöhter Blutdruck kann behandelt werden.

Ein erhöhtes LDL-Cholesterin kann gesenkt werden.

Ein beginnender Diabetes kann früh erkannt werden.

Ein erhöhtes Osteoporoserisiko kann berücksichtigt werden.

Und Krebsvorstufen können teilweise entdeckt und behandelt werden, bevor daraus eine fortgeschrittene Erkrankung entsteht.

Das ist der eigentliche Sinn guter Vorsorgemedizin:

Nicht darauf warten, dass der Körper Alarm schlägt – sondern Risiken erkennen, solange noch Zeit zum Handeln bleibt.


Fazit

Wenn du dir nur wenige Punkte merken möchtest, dann diese:

1. Nimm die gynäkologische Vorsorge und die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs regelmäßig wahr.

2. Nutze ab dem entsprechenden Alter das Mammografie-Screening.

3. Denk ab 45 an die Darmkrebsvorsorge.

4. Lass Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin kontrollieren.

5. Denk insbesondere nach den Wechseljahren und ab etwa 65 Jahren an dein Osteoporoserisiko.

Und noch etwas ist wichtig: Vorsorgeprogramme richten sich an Menschen ohne entsprechende Beschwerden.

Wer einen Knoten in der Brust bemerkt, Blut im Stuhl entdeckt, ungewöhnliche vaginale Blutungen entwickelt oder andere neue beziehungsweise anhaltende Beschwerden hat, sollte nicht auf den nächsten Vorsorgetermin warten.

Dann geht es nicht mehr um Vorsorge, sondern um die gezielte medizinische Abklärung eines Symptoms.


 

Wissenschaftliche Grundlagen

Der Artikel orientiert sich unter anderem an evidenzbasierten Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung und Prävention sowie an aktuellen Informationen des österreichischen Gesundheitsportals, internationalen Empfehlungen zur Osteoporoseprävention und kardiovaskulären Präventionsleitlinien. Besonders berücksichtigt wurden die österreichischen Empfehlungen zu Brust-, Gebärmutterhals- und Darmkrebsfrüherkennung sowie aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen zum Osteoporose-Screening.

 

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Über den Autor

Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher

 

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

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Aktualität

Erstellt am: 30. August 2026

Autor: Dr. Alois Süssenbacher

Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher

Geplante Überprüfung: August 2027