Beim Bankkonto ist es selbstverständlich: Geld kommt herein, Geld geht hinaus – und am Ende sehen wir, was übrig bleibt.

Bei unserer Gesundheit funktioniert vieles erstaunlich ähnlich.

Jeden Tag „zahlen“ wir auf unsere Gesundheit ein. Gleichzeitig gibt es Dinge, die etwas davon wieder aufbrauchen. Das Problem: Unser Körper schickt uns keinen monatlichen Kontoauszug.

Vielleicht würden wir manche Entscheidungen anders treffen, wenn er es täte.

Stell dir also vor, heute läge dein persönlicher Gesundheits-Kontoauszug im Briefkasten.

Was würde darauf stehen?

Dein Gesundheitskonto beginnt nicht jeden Monat bei null

Zunächst ein wichtiger Unterschied zum Bankkonto: Gesundheit lässt sich natürlich nicht tatsächlich in Euro oder Punkten messen.

Die Vorstellung eines Gesundheitskontos ist lediglich ein Bild. Medizinisch betrachtet passt dieses Bild aber erstaunlich gut.

Unser Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und viele andere chronische Erkrankungen wird nicht durch eine einzige Entscheidung bestimmt. Entscheidend ist vielmehr, was über Monate, Jahre und Jahrzehnte zusammenkommt.

Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin spielen dabei ebenso eine Rolle wie Bewegung, Ernährung, Rauchen und Schlaf.

Die American Heart Association fasst beispielsweise acht besonders wichtige Faktoren für die Herz-Kreislauf-Gesundheit zusammen: Ernährung, körperliche Aktivität, Nikotinkonsum, Schlaf, Körpergewicht, Blutfette, Blutzucker und Blutdruck. [1]

Auf unserem gedachten Kontoauszug könnten deshalb jeden Monat zahlreiche kleine Buchungen auftauchen.


Einzahlung: Du hast dich regelmäßig bewegt

Vielleicht warst du nicht fünfmal pro Woche im Fitnessstudio.

Aber du bist spazieren gegangen. Du hast öfter die Treppe genommen. Du bist mit dem Fahrrad gefahren. Du hast im Garten gearbeitet oder regelmäßig eine Runde mit dem Hund gedreht.

All das zählt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität oder 75 bis 150 Minuten intensivere körperliche Aktivität. Zusätzlich wird an mindestens zwei Tagen pro Woche muskelkräftigende Bewegung empfohlen. [2]

Doch ein wichtiger Satz der WHO lautet sinngemäß:

Jede Bewegung ist besser als keine.

Regelmäßige körperliche Aktivität ist unter anderem mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes verbunden. Sie kann außerdem Schlaf, psychisches Wohlbefinden und körperliche Leistungsfähigkeit verbessern. [2]

Auf deinem Gesundheitskonto wäre Bewegung deshalb eine regelmäßige Einzahlung.

Und dafür musst du keinen Marathon laufen.


Einzahlung: Auf deinem Teller lagen häufig die richtigen Lebensmittel

Auch bei der Ernährung entscheidet nicht das einzelne Essen.

Eine Pizza am Samstagabend ruiniert deine Gesundheit genauso wenig, wie ein Salat am Montagmittag automatisch vor einem Herzinfarkt schützt.

Entscheidend ist das langfristige Ernährungsmuster.

Besonders gut untersucht ist beispielsweise die mediterrane Ernährung. Sie setzt unter anderem auf viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse, Vollkornprodukte, Fisch und pflanzliche Öle wie Olivenöl und begrenzt stark verarbeitete Lebensmittel sowie größere Mengen an rotem und verarbeitetem Fleisch.

In der bekannten PREDIMED-Studie mit 7.447 Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko war eine mediterrane Ernährung, ergänzt durch natives Olivenöl beziehungsweise Nüsse, mit weniger schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden als die Kontrollernährung. [3]

Auf unserem Kontoauszug könnte deshalb stehen:

Viele kleine Einzahlungen durch gute alltägliche Entscheidungen.

Nicht Perfektion ist entscheidend, sondern das Muster.


Einzahlung: Du hast deinem Körper genügend Schlaf gegeben

Schlaf wird beim Thema Gesundheit erstaunlich häufig unterschätzt.

Dabei laufen während der Nacht zahlreiche Prozesse ab, die für unseren Stoffwechsel, unser Gehirn und unser Herz-Kreislauf-System wichtig sind.

Die Bedeutung ist inzwischen so gut belegt, dass die American Heart Association Schlaf als einen der acht zentralen Faktoren der Herz-Kreislauf-Gesundheit berücksichtigt. [1]

Ungünstige Schlafgewohnheiten sind unter anderem mit Bluthochdruck, Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. [4]

Wer regelmäßig ausreichend und erholsam schläft, verschwendet also keineswegs Lebenszeit.

Er investiert in seine Gesundheit.


Abbuchung: Du hast einen großen Teil des Tages gesessen

Hier könnte der Kontoauszug unangenehm werden.

Viele Menschen sitzen morgens beim Frühstück, anschließend im Auto, danach mehrere Stunden am Arbeitsplatz und abends nochmals auf dem Sofa.

Das kann bedeuten, dass wir an manchen Tagen den überwiegenden Teil unserer Wachzeit kaum körperlich aktiv sind.

Langes Sitzen und andere Formen ausgeprägten Bewegungsmangels sind mit ungünstigen gesundheitlichen Folgen verbunden. Die WHO weist unter anderem auf Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und einer erhöhten Sterblichkeit hin. [2]

Das bedeutet nicht, dass Sitzen grundsätzlich gefährlich wäre.

Es bedeutet vielmehr:

Unser Körper ist dafür gemacht, regelmäßig bewegt zu werden.

Schon kleine Unterbrechungen können dabei helfen, Bewegung wieder selbstverständlich in den Alltag einzubauen.


Große Abbuchung: Rauchen

Wenn es auf unserem Gesundheitskonto einen besonders teuren Posten gäbe, wäre Tabakkonsum weit oben auf der Liste.

Und dabei gibt es eine wichtige Erkenntnis, die viele Menschen unterschätzen:

Auch wenige Zigaretten sind nicht harmlos.

Eine große Metaanalyse von 141 Kohortenstudien zeigte, dass bereits das Rauchen von durchschnittlich einer Zigarette pro Tag mit einem deutlich erhöhten Risiko für koronare Herzerkrankungen und Schlaganfälle verbunden war. [5]

Deshalb ist beim Rauchen nicht nur die Reduktion entscheidend.

Das gesundheitlich wichtigste Ziel ist der vollständige Rauchstopp.

Für das Gesundheitskonto wäre das eine der wertvollsten Veränderungen überhaupt.


Und dann gibt es die stillen Abbuchungen

Einige der wichtigsten Risikofaktoren spüren wir überhaupt nicht.

Ein erhöhter Blutdruck kann jahrelang keine Beschwerden verursachen.

Ein erhöhter LDL-Cholesterinwert tut nicht weh.

Auch ein beginnender Typ-2-Diabetes kann lange unbemerkt bleiben.

Genau deshalb wäre unser monatlicher Gesundheitskontoauszug so interessant.

Vielleicht würden dort Belastungen auftauchen, von denen wir im Alltag überhaupt nichts merken.

Das macht Vorsorge wichtig: Blutdruck messen, empfohlene Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und abhängig von Alter und persönlichem Risiko beispielsweise Blutzucker und Blutfette bestimmen lassen.

Denn auch bei der Gesundheit gilt:

Was man nicht bemerkt, kann trotzdem relevant sein.


Wie würde dein Kontoauszug für diesen Monat aussehen?

Vielleicht ungefähr so:

EINZAHLUNGEN

  • regelmäßige Spaziergänge

  • dreimal mit dem Fahrrad zur Arbeit

  • häufig Gemüse und Hülsenfrüchte gegessen

  • weniger Fertiggerichte

  • ausreichend geschlafen

  • Blutdruck kontrolliert

  • zweimal Krafttraining gemacht

ABBUCHUNGEN

− viele Stunden täglich gesessen
− mehrere Nächte deutlich zu wenig geschlafen
− Bewegung wegen Zeitmangels ausgelassen
− häufiger stark verarbeitete Lebensmittel gegessen
− geraucht
− Vorsorgetermin wieder verschoben

Und darunter würde wahrscheinlich nicht stehen:

„Gesund“ oder „krank“.

Denn so einfach funktioniert unser Körper nicht.

Viel wahrscheinlicher wäre die Botschaft:

Deine Entscheidungen summieren sich.


Die gute Nachricht: Du kannst schon heute wieder einzahlen

Gesundheit entsteht nicht durch einen perfekten Monat.

Und sie wird normalerweise auch nicht durch einen einzigen schlechten Tag zerstört.

Entscheidend ist, was wir immer wieder tun.

Du musst deshalb nicht ab morgen dein gesamtes Leben verändern.

Geh heute zehn Minuten spazieren.

Iss beim nächsten Essen eine Portion Gemüse mehr.

Steh während eines langen Arbeitstages regelmäßig auf.

Geh heute etwas früher schlafen.

Miss deinen Blutdruck, wenn du ihn schon lange nicht mehr kontrolliert hast.

Und wenn du rauchst, hole dir Unterstützung beim Rauchstopp.

Jede dieser Entscheidungen wirkt für sich vielleicht klein.

Über Monate und Jahre können sich solche Entscheidungen jedoch summieren.

Dein Körper verschickt keinen Kontoauszug.

Er führt gewissermaßen trotzdem Buch.

Und vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nicht:

„Habe ich diesen Monat alles richtig gemacht?“

Sondern:

„Habe ich diesen Monat etwas mehr in meine Gesundheit eingezahlt, als ich ihr genommen habe?“

Wenn die Antwort noch Nein lautet, ist das kein Grund für Resignation.

Denn anders als bei vielen finanziellen Schulden kannst du auf deinem Gesundheitskonto bereits mit der nächsten Entscheidung wieder anfangen einzuzahlen.


Wissenschaftliche Grundlagen

1. Lloyd-Jones DM et al. Life’s Essential 8: Updating and Enhancing the American Heart Association’s Construct of Cardiovascular Health. Circulation. 2022;146:e18–e43. doi:10.1161/CIR.0000000000001078.

2. World Health Organization. WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour. Geneva: WHO; 2020.

3. Estruch R et al. Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet Supplemented with Extra-Virgin Olive Oil or Nuts. New England Journal of Medicine. 2018;378:e34. doi:10.1056/NEJMoa1800389.

4. American Heart Association. Multidimensional Sleep Health: Definitions and Implications for Cardiometabolic Health. Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes. 2025.

5. Hackshaw A et al. Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports. BMJ. 2018;360:j5855. doi:10.1136/bmj.j5855.


 

Über den Autor

Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher

 

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

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Aktualität

Erstellt am: 30. August 2026

Autor: Dr. Alois Süssenbacher

Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher

Geplante Überprüfung: August 2027