Herzschwäche bedeutet nicht, dass das Herz plötzlich aufhört zu arbeiten. Vielmehr schafft es das Herz nicht mehr ausreichend, den Körper mit Blut und damit mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen – oder es kann sich nicht mehr richtig mit Blut füllen.
Der medizinische Begriff dafür lautet Herzinsuffizienz.
Die Erkrankung ist ernst zu nehmen. Gleichzeitig haben sich ihre Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Moderne Medikamente, ein angepasster Lebensstil und bei manchen Menschen spezielle Herzschrittmacher oder andere Therapien können Beschwerden reduzieren und die Prognose verbessern.
Hier sind 5 wichtige Punkte, die du über Herzschwäche wissen solltest.
1. Atemnot und Leistungsknick können erste Warnzeichen sein
Eine Herzschwäche entwickelt sich häufig schleichend. Deshalb werden die ersten Beschwerden leicht mit zunehmendem Alter, mangelnder Fitness oder Übergewicht erklärt.
Typische Symptome sind:
- Atemnot bei körperlicher Belastung
- ungewöhnlich schnelle Erschöpfung
- nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit
- geschwollene Beine oder Knöchel
- rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
- Atemnot beim flachen Liegen
- nächtliches Erwachen wegen Luftnot
Ein typisches Beispiel: Früher konntest du zwei Stockwerke problemlos hinaufgehen. Inzwischen musst du nach dem ersten Stock stehen bleiben und verschnaufen.
Das muss nicht automatisch eine Herzschwäche bedeuten. Eine neu aufgetretene oder zunehmende Atemnot und ein deutlicher Leistungsabfall sollten aber medizinisch abgeklärt werden.
Bei einer Herzinsuffizienz kann sich Blut vor dem Herzen zurückstauen. Dadurch kann sich Flüssigkeit beispielsweise in der Lunge oder in den Beinen ansammeln.
2. Herzschwäche ist nicht gleich Herzschwäche
Ein besonders wichtiger Wert bei der Untersuchung des Herzens ist die sogenannte Ejektionsfraktion (EF). Sie beschreibt vereinfacht gesagt, welcher Anteil des Blutes bei einem Herzschlag aus der linken Herzkammer ausgeworfen wird.
Die europäischen Leitlinien unterscheiden unter anderem drei Formen:
Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF)
Die Ejektionsfraktion beträgt höchstens 40 Prozent. Die Pumpkraft der linken Herzkammer ist deutlich eingeschränkt.
Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter Pumpfunktion (HFmrEF)
Die Ejektionsfraktion liegt zwischen 41 und 49 Prozent.
Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF)
Die Ejektionsfraktion beträgt mindestens 50 Prozent. Trotzdem kann eine Herzschwäche bestehen. Häufig liegt das Problem hier unter anderem darin, dass sich der Herzmuskel nicht ausreichend entspannen und die Herzkammer sich deshalb nicht normal mit Blut füllen kann.
Das ist wichtig zu verstehen:
Eine normale Pumpfunktion im Herzultraschall schließt eine Herzschwäche nicht aus.
Für die Diagnose werden deshalb mehrere Informationen miteinander kombiniert. Dazu gehören Beschwerden, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen und insbesondere der Herzultraschall.
Im Blut können beispielsweise BNP oder NT-proBNP bestimmt werden. Diese sogenannten natriuretischen Peptide können bei einer erhöhten Belastung des Herzens ansteigen.
3. Die Ursache der Herzschwäche sollte gesucht werden
Herzinsuffizienz ist häufig die Folge einer anderen Erkrankung.
Zu den möglichen Ursachen und begünstigenden Faktoren gehören beispielsweise:
- koronare Herzkrankheit
- ein früherer Herzinfarkt
- langjähriger Bluthochdruck
- Herzklappenerkrankungen
- Erkrankungen des Herzmuskels
- Herzrhythmusstörungen
- Diabetes mellitus
- Nierenerkrankungen
Warum ist das so wichtig?
Weil es nicht genügt, ausschließlich die Beschwerden der Herzschwäche zu behandeln. Wenn möglich, sollte auch ihre Ursache behandelt werden.
Ein Beispiel:
Ist eine relevante Herzklappenerkrankung für die Herzschwäche verantwortlich, kann in bestimmten Situationen die Behandlung der Herzklappe entscheidend sein.
Auch Erkrankungen, die zusätzlich zur Herzinsuffizienz bestehen, spielen eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem Nierenfunktionsstörungen, Diabetes oder Eisenmangel.
Die ESC empfiehlt deshalb eine umfassende Betreuung von Menschen mit Herzinsuffizienz.
4. Moderne Medikamente können mehr als nur Beschwerden lindern
Gerade bei einer Herzinsuffizienz mit deutlich eingeschränkter Pumpfunktion hat sich die Behandlung in den vergangenen Jahren wesentlich verändert.
Heute stehen mehrere Medikamentengruppen zur Verfügung, die nicht nur Symptome behandeln, sondern bei geeigneten Patienten auch das Risiko für Krankenhausaufenthalte und teilweise das Sterberisiko reduzieren können.
Bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion gehören dazu insbesondere vier wichtige Medikamentengruppen:
ACE-Hemmer beziehungsweise ARNI
Sie beeinflussen Hormonsysteme, die bei einer Herzschwäche dauerhaft aktiviert sind, und können das Herz entlasten.
Betablocker
Sie reduzieren unter anderem die Wirkung von Stresshormonen auf das Herz und können Herzfrequenz und Herzarbeit günstig beeinflussen.
Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA)
Dazu gehören beispielsweise Spironolacton oder Eplerenon.
SGLT2-Hemmer
Diese Medikamente wurden ursprünglich zur Behandlung des Diabetes entwickelt. Inzwischen weiß man, dass bestimmte SGLT2-Hemmer auch bei Herzinsuffizienz wichtige Vorteile haben – unabhängig davon, ob gleichzeitig ein Diabetes besteht.
Besonders bei den SGLT2-Hemmern hat sich die Datenlage erweitert: Die ESC empfiehlt Dapagliflozin oder Empagliflozin inzwischen auch bei symptomatischer Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter beziehungsweise erhaltener Ejektionsfraktion, um das Risiko einer Verschlechterung mit Krankenhausaufnahme oder eines kardiovaskulären Todes zu reduzieren.
Zusätzlich können Entwässerungsmedikamente – sogenannte Diuretika – notwendig sein, wenn sich Flüssigkeit im Körper angesammelt hat. Sie helfen insbesondere dabei, Atemnot und Wassereinlagerungen zu reduzieren.
Welche Medikamente und welche Dosierungen sinnvoll sind, hängt jedoch von der individuellen Situation ab.
Herzinsuffizienz-Medikamente sollten deshalb nicht eigenständig begonnen, abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden.
5. Du kannst selbst viel zum Behandlungserfolg beitragen
Medikamente sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung – aber nicht der einzige.
Auch das tägliche Verhalten spielt eine wichtige Rolle.
Bewegung gehört zur Behandlung
Früher wurde Menschen mit Herzschwäche häufig geraten, sich körperlich zu schonen. Heute wissen wir: Bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz ist regelmäßige, an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasste körperliche Aktivität in der Regel sinnvoll.
Die ESC empfiehlt körperliches Training geeigneten Patienten, um die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern.
Wie intensiv trainiert werden darf, sollte insbesondere bei ausgeprägter Herzschwäche individuell mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin besprochen werden.
Das Körpergewicht beobachten
Ein plötzlicher Gewichtsanstieg kann durch Flüssigkeitseinlagerungen entstehen und ein Hinweis darauf sein, dass sich die Herzschwäche verschlechtert.
Regelmäßiges Wiegen kann deshalb helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Medikamente regelmäßig einnehmen
Viele Herzinsuffizienz-Medikamente wirken nicht dadurch, dass man unmittelbar eine Veränderung spürt. Ihr Nutzen liegt teilweise darin, das Herz langfristig zu schützen und das Risiko einer Verschlechterung zu reduzieren.
Deshalb sollten Medikamente auch dann regelmäßig eingenommen werden, wenn es einem gerade gut geht.
Warnzeichen ernst nehmen
Bei deutlich zunehmender Atemnot, rasch zunehmenden Wassereinlagerungen oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustandes sollte zeitnah medizinischer Rat eingeholt werden.
Plötzlich auftretende schwere Atemnot, Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit oder andere schwere akute Beschwerden sind ein medizinischer Notfall.
Herzschwäche ist ernst – aber heute besser behandelbar
Die Diagnose Herzinsuffizienz macht vielen Menschen zunächst Angst. Und tatsächlich handelt es sich um eine Erkrankung, die konsequent behandelt und regelmäßig kontrolliert werden sollte.
Doch die therapeutischen Möglichkeiten haben sich deutlich weiterentwickelt.
Moderne Medikamente können die Prognose verbessern und Krankenhausaufenthalte verhindern. Bei ausgewählten Patienten kommen zusätzlich spezielle Herzschrittmacher oder implantierbare Defibrillatoren infrage. Auch die Behandlung von Begleiterkrankungen, Bewegung und die eigene Beobachtung von Beschwerden gehören zu einer modernen Herzinsuffizienztherapie.
Die vielleicht wichtigste Botschaft lautet deshalb:
Herzschwäche bedeutet nicht, dass man nichts mehr tun kann. Im Gegenteil: Je früher die Erkrankung erkannt und konsequent behandelt wird, desto mehr Möglichkeiten gibt es, den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen.
Die 5 wichtigsten Punkte auf einen Blick
1. Atemnot und Leistungsabfall ernst nehmen.
Sie können erste Hinweise auf eine Herzschwäche sein.
2. Eine normale Pumpfunktion schließt Herzschwäche nicht aus.
Auch bei einer Ejektionsfraktion von 50 Prozent oder mehr kann eine Herzinsuffizienz bestehen.
3. Nach der Ursache suchen.
Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappen- oder Herzmuskelerkrankungen und andere Erkrankungen können dahinterstecken.
4. Moderne Medikamente konsequent einsetzen.
Die Behandlung kann nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch den weiteren Krankheitsverlauf verbessern.
5. Selbst aktiv werden.
Angepasste Bewegung, regelmäßige Medikamenteneinnahme, Gewichtskontrolle und das frühzeitige Erkennen einer Verschlechterung sind wichtige Bestandteile der Therapie.
Wissenschaftliche Grundlage
Dieser Artikel orientiert sich an:
- McDonagh TA et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal. 2021;42:3599–3726.
- McDonagh TA et al. 2023 Focused Update of the 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal. 2023;44:3627–3639.
- European Society of Cardiology (ESC): Patienteninformationen zur akuten und chronischen Herzinsuffizienz, aktualisiert 2023.
Über den Autor
Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher
Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.
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Aktualität
Erstellt am: 30. August 2026
Autor: Dr. Alois Süssenbacher
Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher
Geplante Überprüfung: August 2027