Viele Männer kümmern sich hervorragend um ihr Auto, ihr Haus oder ihre Finanzen – beim eigenen Körper sieht es manchmal anders aus. Solange nichts weh tut, scheint ein Arztbesuch nicht notwendig zu sein.
Genau darin liegt das Problem.
Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes und manche Krebserkrankungen können sich über Jahre entwickeln, ohne deutliche Beschwerden zu verursachen. Wer wartet, bis Symptome auftreten, wartet deshalb bei manchen Erkrankungen zu lange.
Vorsorge bedeutet nicht, möglichst viele Untersuchungen durchführen zu lassen. Gute Vorsorge bedeutet vielmehr, die richtigen Untersuchungen zum richtigen Zeitpunkt zu machen.
Diese Untersuchungen sollten Männer kennen.
1. Blutdruck kontrollieren – auch wenn du dich gesund fühlst
Bluthochdruck gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Tückische daran: Ein erhöhter Blutdruck verursacht häufig über lange Zeit überhaupt keine Beschwerden.
Trotzdem kann er die Blutgefäße und verschiedene Organe schädigen und unter anderem das Risiko für
-
Herzinfarkt,
-
Schlaganfall,
-
Herzschwäche,
-
Nierenschäden und
-
andere Gefäßerkrankungen
erhöhen.
Deshalb gehört eine regelmäßige Blutdruckmessung zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen überhaupt.
Die aktuellen europäischen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) unterstreichen die Bedeutung der Erkennung und Behandlung eines erhöhten Blutdrucks. Auch die kardiovaskuläre Risikobeurteilung berücksichtigt Blutdruck gemeinsam mit weiteren Risikofaktoren wie Cholesterin, Rauchen und Alter.
Was bedeutet das praktisch?
Lass deinen Blutdruck regelmäßig messen – beispielsweise im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung. Bei auffälligen Werten können zusätzliche Messungen zu Hause oder eine 24-Stunden-Blutdruckmessung sinnvoll sein.
Ein einzelner erhöhter Messwert bedeutet übrigens noch nicht automatisch, dass du Bluthochdruck hast.
2. Cholesterin bestimmen lassen
Auch erhöhte Cholesterinwerte spürt man normalerweise nicht.
Insbesondere ein erhöhtes LDL-Cholesterin fördert jedoch die Entstehung von Ablagerungen in den Arterien. Über viele Jahre kann daraus eine sogenannte Atherosklerose entstehen – eine wesentliche Grundlage für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Deshalb ist die Bestimmung der Blutfette ein wichtiger Bestandteil der Beurteilung des persönlichen Herz-Kreislauf-Risikos.
Dabei werden typischerweise unter anderem bestimmt:
-
Gesamtcholesterin,
-
LDL-Cholesterin,
-
HDL-Cholesterin und
-
Triglyzeride.
Besonders wichtig ist eine frühzeitige Kontrolle, wenn in deiner Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle bereits in relativ jungen Jahren aufgetreten sind. Dahinter können beispielsweise erblich bedingt sehr hohe Cholesterinwerte stecken.
Merke: Ein Mann mit hohem Cholesterin kann sich völlig gesund und leistungsfähig fühlen. Genau deshalb ist die Blutuntersuchung so wichtig.
3. Blutzucker kontrollieren
Typ-2-Diabetes entsteht häufig schleichend. Erhöhte Blutzuckerwerte können bereits längere Zeit bestehen, bevor typische Beschwerden auftreten.
Das Problem dabei: Diabetes betrifft nicht nur den Zuckerstoffwechsel. Er erhöht auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann unter anderem Augen, Nieren und Nerven schädigen.
Zur Früherkennung können beispielsweise Nüchternblutzucker oder HbA1c bestimmt werden.
Die American Diabetes Association empfiehlt in ihren aktuellen Standards, bei Erwachsenen ohne andere Kriterien spätestens ab dem 35. Lebensjahr auf Prädiabetes beziehungsweise Typ-2-Diabetes zu testen. Bei Übergewicht oder Adipositas und zusätzlichen Risikofaktoren kann eine Untersuchung bereits früher sinnvoll sein.
Besonders aufmerksam solltest du sein, wenn du zusätzlich
-
Übergewicht,
-
Bluthochdruck,
-
wenig körperliche Aktivität,
-
ungünstige Blutfettwerte oder
-
Diabetes in der nahen Familie
hast.
4. Darmkrebsvorsorge – eine Untersuchung, die Krebs sogar verhindern kann
Die Darmkrebsvorsorge hat eine Besonderheit: Sie kann Krebs nicht nur früh erkennen, sondern teilweise sogar verhindern.
Viele Darmkrebsfälle entstehen über Jahre aus zunächst gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen. Bei einer Darmspiegelung können solche Veränderungen entdeckt und häufig direkt entfernt werden.
In Österreich werden im Rahmen der Vorsorge ab dem 45. Lebensjahr Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung angeboten. Dazu gehören ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl beziehungsweise in entsprechenden Abständen eine Koloskopie.
Eine Darmspiegelung ist deshalb nicht einfach nur eine Suche nach bereits vorhandenem Krebs.
Sie bietet die Möglichkeit, Vorstufen zu entfernen, bevor daraus überhaupt Krebs entsteht.
Das ist einer der wichtigsten Gründe, die Darmkrebsvorsorge nicht immer wieder aufzuschieben.
Bei einer familiären Belastung kann eine Untersuchung deutlich früher notwendig sein. Wenn beispielsweise Eltern oder Geschwister Darmkrebs hatten, solltest du das unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen.
5. Prostatakrebs: PSA-Test – ja oder nein?
Bei kaum einer Vorsorgeuntersuchung wird so viel diskutiert wie beim PSA-Test.
PSA steht für „prostataspezifisches Antigen“. Es handelt sich um einen Stoff, der von der Prostata gebildet wird und im Blut gemessen werden kann.
Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen – muss es aber nicht. Auch gutartige Veränderungen oder Entzündungen können den PSA-Wert erhöhen.
Gleichzeitig kann die PSA-basierte Früherkennung Tumoren entdecken, die einem Mann während seines Lebens möglicherweise niemals Beschwerden verursacht hätten. Daraus können weitere Untersuchungen und unter Umständen unnötige Behandlungen entstehen.
Deshalb gilt nicht einfach:
„Jeder Mann braucht jedes Jahr einen PSA-Test.“
Die European Association of Urology empfiehlt vielmehr eine individuelle, risikoadaptierte Früherkennung nach entsprechender Aufklärung.
Für gut informierte Männer kann eine erste PSA-Bestimmung ab etwa 50 Jahren angeboten werden. Bei erhöhtem Risiko kann ein früherer Beginn sinnvoll sein – beispielsweise ab 45 Jahren bei entsprechender familiärer Belastung und ab 40 Jahren bei bestimmten genetischen Risiken wie einer BRCA2-Mutation.
Die Entscheidung sollte gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden.
6. Für Raucher besonders wichtig: Lungenkrebs-Früherkennung
Hier gilt eine wichtige Einschränkung:
Eine Untersuchung auf Lungenkrebs ist keine allgemeine Vorsorgeuntersuchung für jeden Mann.
Bei Menschen mit einer ausgeprägten Rauchergeschichte kann dagegen eine regelmäßige Untersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomographie – sogenanntem Low-Dose-CT – sinnvoll sein.
Internationale Empfehlungen wie jene der U.S. Preventive Services Task Force empfehlen ein jährliches Low-Dose-CT für bestimmte Hochrisikopersonen zwischen 50 und 80 Jahren mit einer entsprechenden Rauchbelastung.
Ein normales Lungenröntgen ist damit nicht gleichzusetzen.
Wer viele Jahre geraucht hat oder weiterhin raucht, sollte deshalb mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen, ob er zu einer Gruppe gehört, für die ein strukturiertes Lungenkrebs-Screening sinnvoll ist.
Und mindestens genauso wichtig: Mit dem Rauchen aufzuhören reduziert zahlreiche gesundheitliche Risiken.
7. Ab etwa 65: Einmal die Bauchschlagader untersuchen?
Eine weitere Vorsorgeuntersuchung kennen erstaunlich wenige Männer: den Ultraschall der Bauchschlagader.
Die Hauptschlagader – die Aorta – kann sich im Bauchbereich krankhaft erweitern. Man spricht dann von einem Bauchaortenaneurysma.
Das Gefährliche: Ein solches Aneurysma kann lange keinerlei Beschwerden verursachen. Reißt es jedoch, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall.
Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen, und Rauchen gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren.
Internationale Leitlinien empfehlen deshalb insbesondere älteren Männern mit entsprechender Rauchervorgeschichte eine einmalige Ultraschalluntersuchung. Die USPSTF empfiehlt sie beispielsweise für Männer zwischen 65 und 75 Jahren, die irgendwann geraucht haben.
Die Untersuchung ist unkompliziert, schmerzfrei und kommt ohne Strahlenbelastung aus.
Muss ein gesunder Mann also ständig zum Arzt?
Nein.
Gute Vorsorge bedeutet nicht, möglichst viele Bluttests, Ultraschalluntersuchungen, CTs oder Ganzkörper-MRTs durchführen zu lassen.
Denn mehr Diagnostik ist nicht automatisch bessere Medizin.
Jede Untersuchung kann auch Nachteile haben: Zufallsbefunde, falsch-positive Ergebnisse, unnötige Folgeuntersuchungen und manchmal sogar Behandlungen von Veränderungen, die niemals Beschwerden verursacht hätten.
Deshalb sollte Vorsorge immer von drei Faktoren abhängen:
Alter + persönliches Risiko + wissenschaftlicher Nutzen der Untersuchung.
Eine einfache Orientierung
Ab dem jungen Erwachsenenalter:
Blutdruck und allgemeine kardiovaskuläre Risikofaktoren im Blick behalten.
Spätestens im mittleren Erwachsenenalter:
Blutfette und Blutzucker beziehungsweise Diabetesrisiko kennen.
Ab etwa 45 Jahren:
Darmkrebsvorsorge entsprechend den in Österreich angebotenen Untersuchungen ernst nehmen.
Ab etwa 50 Jahren:
Nach entsprechender Aufklärung über eine individuelle PSA-basierte Prostatakrebs-Früherkennung sprechen; bei erhöhtem familiären oder genetischen Risiko gegebenenfalls früher.
Bei langjähriger Rauchervorgeschichte:
Besprechen, ob eine Lungenkrebs-Früherkennung mittels Low-Dose-CT infrage kommt.
Im höheren Lebensalter – insbesondere bei Rauchern oder ehemaligen Rauchern:
An die einmalige Ultraschalluntersuchung auf ein Bauchaortenaneurysma denken.
Diese Altersangaben sind keine starren Grenzen. Vorerkrankungen und familiäre Risiken können dazu führen, dass Untersuchungen früher oder häufiger sinnvoll sind.
Fazit: Vorsorge beginnt, bevor etwas weh tut
Der größte Fehler bei der Vorsorge ist wahrscheinlich der Gedanke:
„Mir fehlt nichts – also brauche ich keine Untersuchung.“
Viele der Erkrankungen, die später einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen, entwickeln sich zunächst unbemerkt.
Ein erhöhter Blutdruck tut meistens nicht weh.
Ein hoher LDL-Cholesterinwert macht keine Beschwerden.
Ein beginnender Typ-2-Diabetes kann lange unbemerkt bleiben.
Und auch manche Krebserkrankungen verursachen in frühen Stadien keine Symptome.
Du musst deshalb nicht ständig nach Krankheiten suchen.
Aber du solltest dein persönliches Risiko kennen und diejenigen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, für die ein sinnvoller medizinischer Nutzen belegt ist.
Gesundheitsvorsorge bedeutet nicht, Angst vor Krankheiten zu haben. Sie bedeutet, vorhandene Chancen zur Vorbeugung und Früherkennung zu nutzen.
Medizinische Grundlagen und weiterführende Quellen
Dieser Artikel orientiert sich unter anderem an Empfehlungen und Fachinformationen der European Society of Cardiology (ESC), der European Association of Urology (EAU), der American Diabetes Association (ADA), der U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF), den Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung in Europa sowie dem österreichischen öffentlichen Gesundheitsportal.
Über den Autor
Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher
Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.
Newsletter
Bleiben Sie auf dem Laufenden
Erhalten Sie regelmäßig neue Gesundheitsartikel, wissenschaftlich fundierte Tipps sowie Informationen zu neuen Online-Kursen und Veranstaltungen.
Aktualität
Erstellt am: 30. August 2026
Autor: Dr. Alois Süssenbacher
Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher
Geplante Überprüfung: August 2027