Nach einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation kommen oft viele Fragen auf: Wie viel darf ich mich bewegen? Was kann ich meinem Herzen noch zutrauen? Und wie verhindere ich, dass wieder etwas passiert?
Eine Herz-Rehabilitation hilft, darauf Antworten zu finden und Sicherheit zurückzugewinnen. Im August 2026 hat die Europäische Gesellschaft für Kardiologie, kurz ESC, erstmals eine eigene Leitlinie dazu veröffentlicht. Sie bündelt Empfehlungen für die Betreuung nach einer akuten Herzerkrankung und bei länger bestehenden Herzproblemen.
Diese fünf Punkte sind für Patient besonders wichtig.
1. Eine Herz-Reha kommt bei vielen Herzerkrankungen infrage
Viele Menschen verbinden eine Herz-Reha mit einem Herzinfarkt. Doch auch bei Herzschwäche, nach einem Herzklappenersatz und bei bestimmten anderen Herzerkrankungen kann sie sinnvoll sein. Die Leitlinie berücksichtigt beispielsweise auch Vorhofflimmern und angeborene Herzfehler.
Hohes Alter, Gebrechlichkeit oder zusätzliche Erkrankungen sind allein kein Grund, auf eine Reha zu verzichten. Entscheidend ist, das Programm passend zu gestalten. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, klärt Ihr Betreuungsteam.
Fragen Sie deshalb bei Ihrem nächsten Arztbesuch: „Kommt eine Herz-Rehabilitation für mich infrage?“
2. Bewegung soll zu Ihnen passen
Möglicherweise haben Sie nach einem Herzereignis Angst vor körperlicher Anstrengung. Genau hier setzt die Reha an: Vor dem Training werden Ihre Gesundheit und Belastbarkeit beurteilt. Gemeinsam mit Ihnen legt das Team fest, welche Übungen Sie machen können und wie intensiv diese sein sollen.
Zum Programm können Gehen, Radfahren und Übungen zur Muskelkräftigung gehören. Auch mehr Bewegung im Alltag und weniger langes Sitzen spielen eine Rolle.
Sie müssen keine sportlichen Höchstleistungen erreichen. Es geht darum, Ihre Belastbarkeit Schritt für Schritt aufzubauen und wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu bekommen.
3. Zur Reha gehören auch Ernährung, Medikamente und Wissen
Eine umfassende Herz-Reha verbindet Bewegung mit medizinischer Betreuung und Unterstützung im Alltag. Dazu gehören verständliche Informationen über die eigene Erkrankung, herzgesunde Ernährung und Hilfe beim Rauchstopp.
Ebenso wichtig ist, die Behandlung zu verstehen: Wofür sind meine Medikamente da? Wie nehme ich sie zuverlässig ein? Welche Veränderungen sollte ich meinem Behandlungsteam melden?
Die Leitlinie betont, dass verständliche Aufklärung Menschen dabei unterstützt, gesunde Gewohnheiten beizubehalten und ihre Behandlung zuverlässig umzusetzen.
Bringen Sie Ihre Fragen mit. Sie müssen medizinische Begriffe nicht schon kennen, um Ihre Behandlung verstehen zu können.
4. Angst und seelische Belastung verdienen Aufmerksamkeit
„Was, wenn es wieder passiert?“ Dieser Gedanke kann nach einem Herzereignis sehr belastend sein. Manche Menschen werden unsicher, ziehen sich zurück oder fühlen sich niedergeschlagen.
Psychologische Unterstützung gehört deshalb zur umfassenden Herz-Rehabilitation. Gespräche, Entspannungsverfahren oder eine gezielte psychologische Behandlung können helfen, mit Ängsten umzugehen.
Sprechen Sie offen an, wenn Sie sich seelisch belastet fühlen. Auch Fragen zu Partnerschaft, Sexualität oder zur Rückkehr in den Beruf haben in der Reha ihren Platz.
5. Eine betreute Reha kann auch zu Hause stattfinden
Lange Anfahrten oder Verpflichtungen im Alltag können die Teilnahme erschweren. Die Leitlinie berücksichtigt deshalb unterschiedliche Angebote: im Reha-Zentrum, zu Hause oder als Kombination aus beidem.
Dabei können Telefonate, Videogespräche und digitale Hilfsmittel die Betreuung unterstützen. Ein Programm zu Hause bleibt eine strukturierte, fachlich begleitete Behandlung. Welche Form geeignet ist, hängt unter anderem von Ihrem Gesundheitszustand und Ihrem Unterstützungsbedarf ab.
Sprechen Sie Schwierigkeiten frühzeitig an, damit das Team mit Ihnen eine praktikable Lösung suchen kann.
Eine hilfreiche Frage zum Einstieg lautet: „Welche Reha passt zu meiner Erkrankung und zu meinem Alltag – und wie bekomme ich Zugang dazu?“
Medizinische Grundlage: Bäck M, Hansen D, Wilhelm M, et al. 2026 ESC Guidelines on cardiac rehabilitation. European Heart Journal. Veröffentlicht am 28. August 2026. doi:10.1093/eurheartj/ehag099. Ergänzend wurde die offizielle ESC-Patientenversion verwendet.
Über den Autor
Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher
Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.
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Aktualität
Erstellt am: 30. September 2026
Autor: Dr. Alois Süssenbacher
Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher
Geplante Überprüfung: September 2027