„Sie haben Bluthochdruck? Dann dürfen Sie keinen Kaffee mehr trinken.“ Diesen Rat haben viele Menschen schon gehört. Doch so pauschal stimmt er nicht.

Wer einen gut behandelten Bluthochdruck hat, muss auf seinen Kaffee häufig nicht verzichten. Entscheidend sind die Menge, die persönliche Reaktion auf Koffein und die Frage, wie gut der Blutdruck eingestellt ist.

Warum steht Kaffee trotzdem unter Verdacht? Weil Koffein den Blutdruck kurzfristig erhöhen kann. Aber eine vorübergehende Erhöhung und ein dauerhaft hoher Blutdruck sind zwei unterschiedliche Dinge.

Was nach einer Tasse Kaffee passieren kann

Koffein macht wacher. Gleichzeitig kann es den Blutdruck für einige Stunden ansteigen lassen.

Eine Auswertung mehrerer Studien bei Menschen mit Bluthochdruck zeigte: Nach der Einnahme von 200 bis 300 Milligramm Koffein stieg der obere Blutdruckwert im Durchschnitt um etwa 8 mmHg, der untere um etwa 6 mmHg. Die Wirkung hielt mindestens drei Stunden an. Wie viel Kaffee dieser Koffeinmenge entspricht, hängt stark von der Zubereitung und der Tassengröße ab.

Das bedeutet: Ein höherer Wert nach dem Kaffee ist möglich. Er beweist aber noch nicht, dass Kaffee Ihren Blutdruck dauerhaft verschlechtert.

Menschen reagieren außerdem unterschiedlich auf Koffein. Bei regelmäßigem Konsum kann sich eine gewisse Gewöhnung entwickeln. Diese schützt allerdings nicht jeden Menschen vollständig vor einem Blutdruckanstieg.

Macht regelmäßiger Kaffee Bluthochdruck?

Die europäische Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck aus dem Jahr 2024 stellt fest: Regelmäßiger Kaffeekonsum ist in der allgemeinen Bevölkerung nicht mit einem höheren Risiko verbunden, Bluthochdruck zu entwickeln. Einige Untersuchungen beobachten sogar ein niedrigeres Risiko.

Daraus folgt jedoch keine Empfehlung, zur Blutdrucksenkung mit dem Kaffeetrinken anzufangen. Ein beobachteter Zusammenhang beweist nicht, dass Kaffee die Ursache für günstigere Werte ist.

Auch eine systematische Auswertung speziell bei Menschen mit Bluthochdruck fand in den verfügbaren längerfristigen Studien keinen Hinweis auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko durch gewohnheitsmäßigen Kaffeekonsum. Die Daten waren allerdings begrenzt.

Ein pauschales Kaffeeverbot lässt sich daraus nicht ableiten. Eine Erlaubnis für beliebig große Mengen ebenso wenig.

Wie viel Kaffee ist vertretbar?

„Eine Tasse“ klingt nach einer klaren Menge. Tatsächlich kann damit ein kleiner Espresso oder ein großer Becher Filterkaffee gemeint sein. Der Koffeingehalt kann entsprechend stark schwanken.

Die amerikanische Bluthochdruckleitlinie von 2025 empfiehlt, die Koffeinzufuhr auf weniger als 300 Milligramm täglich zu begrenzen. Diese Menge ist keine Garantie dafür, dass jeder Mensch sie gut verträgt. Bei unkontrolliertem Bluthochdruck ist besondere Zurückhaltung sinnvoll.

Denken Sie dabei auch an andere Koffeinquellen: etwa schwarzen und grünen Tee, Cola, Energydrinks oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Entscheidend ist die Gesamtmenge. Energydrinks sind zudem nicht einfach mit Kaffee gleichzusetzen; die ESC-Leitlinie weist ausdrücklich auf mögliche Blutdruckanstiege und Herz-Kreislauf-Komplikationen hin.

Bei deutlich erhöhtem Blutdruck genauer hinsehen

Wenn Ihr Blutdruck wiederholt deutlich erhöht ist, sollten Sie Ihren Kaffeekonsum ärztlich besprechen.

Eine japanische Beobachtungsstudie fand bei Menschen mit einem oberen Blutdruckwert von mindestens 160 mmHg oder einem unteren Wert von mindestens 100 mmHg einen Zusammenhang zwischen mindestens zwei Tassen Kaffee täglich und einer höheren Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese Studie beweist nicht, dass Kaffee die Todesfälle verursacht hat. Sie zeigt aber, warum man die beruhigende Aussage „Kaffee ist nicht automatisch verboten“ bei stark erhöhtem Blutdruck nicht unkritisch übernehmen sollte.

Hier ist vor allem wichtig, den Blutdruck wirksam behandeln zu lassen. Weniger Kaffee allein ersetzt keine notwendige Therapie.

Blutdruck messen: am besten vor dem Kaffee

Sie trinken einen Kaffee, legen sofort die Manschette an und erschrecken über den Wert? Dann könnte Koffein die Messung beeinflusst haben.

Für vergleichbare Messwerte zu Hause gilt:

  • Mindestens 30 Minuten vorher keine koffeinhaltigen Getränke trinken, nicht rauchen und keinen Sport treiben.

  • Vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhig sitzen.

  • Den Rücken anlehnen, beide Füße auf den Boden stellen und den Arm auf Herzhöhe abstützen.

  • Zweimal im Abstand von etwa einer Minute messen und die Werte dokumentieren.

Praktisch ist es, morgens vor dem ersten Kaffee zu messen. Denn die Koffeinwirkung kann länger als 30 Minuten anhalten. Notieren Sie bei auffälligen Werten auch, ob und wann Sie Kaffee getrunken haben. Ein einzelner Messwert reicht nicht aus, um Ihre Blutdruckbehandlung zu beurteilen.

Wenn Sie Kaffee schlecht vertragen

Bekommen Sie nach Kaffee wiederholt Herzklopfen, Unruhe oder Schlafprobleme, lohnt sich eine kleinere Menge oder ein Wechsel zu entkoffeiniertem Kaffee. Auch Ihre persönliche Empfindlichkeit gehört zur Entscheidung dazu.

Bei wiederholt auffälligen Blutdruckwerten sollten Sie Ihre Aufzeichnungen zum Arzttermin mitnehmen. Ändern Sie Ihre Blutdruckmedikamente nicht eigenständig.

Die Diagnose Bluthochdruck bedeutet also nicht automatisch das Ende Ihrer Kaffeepause. Ob Kaffee für Sie gut verträglich ist, hängt von Ihren Blutdruckwerten, der Koffeinmenge und Ihrer persönlichen Reaktion ab.

Medizinische Quellen

  1. McEvoy JW et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal. 2024;45:3912–4018.

  2. Mesas AE et al. The effect of coffee on blood pressure and cardiovascular disease in hypertensive individuals: a systematic review and meta-analysis. American Journal of Clinical Nutrition. 2011;94:1113–1126.

  3. Coffee and Green Tea Consumption and Cardiovascular Disease Mortality Among People With and Without Hypertension. Journal of the American Heart Association. 2023;12. DOI: 10.1161/JAHA.122.026477.

  4. AHA/ACC et al. 2025 Guideline for the Prevention, Detection, Evaluation and Management of High Blood Pressure in Adults. Hypertension. DOI: 10.1161/HYP.0000000000000249.

Über den Autor

Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher

 

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

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Aktualität

Erstellt am: 30. September 2026

Autor: Dr. Alois Süssenbacher

Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher

Geplante Überprüfung: September 2027