„Ihr Blutzucker ist etwas zu hoch. Sie haben Prädiabetes.“ Dieser Satz wirft viele Fragen auf: Habe ich jetzt schon Diabetes? Muss ich auf Zucker verzichten? Und kann ich das wieder ändern?

Prädiabetes bedeutet: Die Blutzuckerwerte liegen über dem normalen Bereich, erreichen aber noch nicht die Grenze für einen Diabetes. Das ist ein Hinweis, genauer hinzuschauen. Gleichzeitig bietet es die Chance, früh gegenzusteuern.

Diese fünf Dinge helfen Ihnen, den Befund zu verstehen.

1. Prä-Diabetes bedeutet nicht, dass Sie zwangsläufig Diabetes bekommen

Bei Prädiabetes kann der Körper den Zucker im Blut nicht mehr so gut regulieren.

Dabei spielt das Hormon Insulin eine wichtige Rolle. Es hilft, Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu bringen. Dort wird er als Energie genutzt. Reagieren die Zellen schlechter auf Insulin, muss die Bauchspeicheldrüse mehr davon produzieren. Diese verminderte Wirkung nennt man Insulinresistenz.

Kann der Körper das nicht mehr ausreichend ausgleichen, steigt der Blutzucker.

Aus Prädiabetes kann sich ein Typ-2-Diabetes entwickeln. Das passiert aber nicht bei allen Betroffenen. Bei manchen Menschen bleiben die Werte über längere Zeit stabil, bei anderen sinken sie wieder in den normalen Bereich. Der weitere Verlauf lässt sich beeinflussen. 

2. Sie können Prä-Diabetes haben, ohne etwas davon zu spüren

Prädiabetes verursacht meistens keine Beschwerden. Sie können sich gesund und leistungsfähig fühlen, obwohl Ihre Blutzuckerwerte bereits erhöht sind.

Deshalb lässt sich Prädiabetes nicht zuverlässig am eigenen Befinden erkennen. Dafür braucht es eine Blutuntersuchung.

Ein erhöhtes Risiko haben unter anderem Menschen mit:

  • Übergewicht, besonders im Bauchbereich,
  • wenig Bewegung im Alltag,
  • Typ-2-Diabetes bei Eltern oder Geschwistern,
  • einem früheren Schwangerschaftsdiabetes.

Auch mit zunehmendem Alter steigt das Risiko. Prädiabetes ist daher kein Beweis dafür, dass jemand „zu viel Süßes gegessen“ hat. Veranlagung und mehrere weitere Faktoren wirken zusammen. 

3. Verschiedene Bluttests können Prä-Diabetes zeigen

Zur Untersuchung stehen mehrere Tests zur Verfügung. Nach den Kriterien der amerikanischen Diabetesgesellschaft ADA sprechen folgende Werte für Prädiabetes:

Untersuchung Was wird gemessen? Bereich für Prädiabetes
Nüchternblutzucker Blutzucker nach mindestens acht Stunden ohne Essen 100–125 mg/dl
HbA1c Ein Wert, der den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Monate widerspiegelt 5,7–6,4 %
Zuckerbelastungstest Blutzucker zwei Stunden nach dem Trinken einer festgelegten Zuckerlösung 140–199 mg/dl

Die Tests erfassen unterschiedliche Aspekte der Blutzuckerregulation. Deshalb kann beispielsweise der Nüchternblutzucker unauffällig sein, während der Zuckerbelastungstest bereits erhöhte Werte zeigt. 

Ein auffälliger Wert sollte ärztlich eingeordnet und bei Bedarf durch eine weitere Untersuchung überprüft werden. Auch der HbA1c ist nicht in jeder Situation gleich zuverlässig: Bestimmte Blutkrankheiten oder Veränderungen der roten Blutkörperchen können ihn beeinflussen. Eine einzelne Messung mit einem privaten Blutzuckermessgerät reicht für die Diagnose nicht aus. 

4. Alltagstaugliche Veränderungen können viel bewirken

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht erst Ihr „Idealgewicht“ erreichen, um etwas zu verbessern.

In einer großen Studie, dem Diabetes Prevention Program, senkte ein intensiv begleitetes Programm mit Ernährungsumstellung, Bewegung und Gewichtsabnahme das Risiko für Typ-2-Diabetes innerhalb von ungefähr drei Jahren um 58 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe. Das beschreibt eine relative Risikosenkung in dieser Studie – keine persönliche Erfolgsgarantie. 

Bei Übergewicht kann bereits eine Gewichtsabnahme von etwa 5 bis 7 Prozent des Ausgangsgewichts hilfreich sein. Bei 100 Kilogramm wären das fünf bis sieben Kilogramm. 

Ein bewährtes Bewegungsziel sind mindestens 150 Minuten pro Woche, beispielsweise 30 Minuten zügiges Gehen an fünf Tagen. Beginnen Sie mit dem, was Sie gut schaffen, und steigern Sie sich schrittweise. 

Für die Ernährung empfehlen die Leitlinien ein ausgewogenes Muster, das langfristig zu Ihrem Alltag passt. Dazu können mehr Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Nüsse gehören. Wasser oder ungesüßter Tee sind günstige Alternativen zu zuckerhaltigen Getränken. Ein mediterranes Ernährungsmuster ist eine mögliche Orientierung. 

Als erster Schritt könnte das ganz praktisch heißen: beim Mittagessen eine größere Gemüseportion wählen, Limonade durch Wasser ersetzen oder einen kurzen Spaziergang fest in den Tagesablauf einplanen.

5. Zur Vorsorge gehören Kontrollen – und ein Blick auf Ihr Herz

Auch wenn Sie sich gut fühlen und Ihren Alltag umstellen, sollten die Blutzuckerwerte weiter kontrolliert werden. Die ADA empfiehlt bei Prädiabetes mindestens einmal jährlich eine Untersuchung. Bei höherem Risiko können kürzere Abstände sinnvoll sein. 

Außerdem lohnt sich ein Blick auf Blutdruck, Blutfette und Rauchen. Prädiabetes ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden und tritt häufig gemeinsam mit weiteren Risikofaktoren auf. Deshalb zählt die gesamte Gesundheit – nicht nur der Zuckerwert. 

Manchmal kommen zusätzlich Medikamente infrage. Metformin kann beispielsweise bei besonders hohem Diabetesrisiko erwogen werden, etwa bei starkem Übergewicht, höheren Blutzuckerwerten oder früherem Schwangerschaftsdiabetes. Es wird aber nicht automatisch bei jedem Prädiabetes empfohlen. Diese Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. 

Für Ihren nächsten Arztbesuch können Sie sich drei Fragen notieren:

  • Welche meiner Werte sind erhöht?
  • Welche Veränderung wäre für mich besonders hilfreich?
  • Wann soll die nächste Kontrolle stattfinden?

So wird aus einem zunächst beunruhigenden Laborbefund ein konkreter Plan.


Medizinische Grundlagen

  • American Diabetes Association Professional Practice Committee. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl. 1):S27–S49. DOI: 10.2337/dc26-S002
  • American Diabetes Association Professional Practice Committee. Prevention or Delay of Diabetes and Associated Comorbidities: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl. 1):S50–S60. DOI: 10.2337/dc26-S003
  • Knowler WC, et al. Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. New England Journal of Medicine. 2002;346:393–403. DOI: 10.1056/NEJMoa012512

Über den Autor

Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher

 

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Erhalten Sie regelmäßig neue Gesundheitsartikel, wissenschaftlich fundierte Tipps sowie Informationen zu neuen Online-Kursen und Veranstaltungen.

Newsletter

Zum Newsletter anmelden und auf dem Laufenden bleiben.

Aktualität

Erstellt am: 14. Oktober 2026

Autor: Dr. Alois Süssenbacher

Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher

Geplante Überprüfung: Oktober 2027