Die Nase läuft, der Hals kratzt und die erste Reaktion ist oft: eine große Portion Vitamin C. Als Brausetablette, Pulver oder heiße Zitrone soll es die Erkältung möglichst schnell stoppen.

Doch wie viel davon ist wissenschaftlich belegt?

Vitamin C ist für unseren Körper wichtig. Erkältungen verhindert es bei den meisten Menschen aber nicht. Wer es regelmäßig einnimmt, kann die Krankheitsdauer etwas verkürzen. Erst beim ersten Halskratzen damit zu beginnen, bringt dagegen keinen zuverlässig nachgewiesenen Nutzen. 

Warum Vitamin C für die Abwehr wichtig ist

Vitamin C unterstützt die normale Arbeit unseres Immunsystems. Außerdem benötigt der Körper es unter anderem für das Bindegewebe und die Wundheilung. Wir können es nicht selbst herstellen und müssen es deshalb über die Nahrung aufnehmen.

Daraus folgt jedoch nicht, dass eine zusätzliche große Portion automatisch einen besseren Schutz vor Infekten bietet. Dass ein Nährstoff lebensnotwendig ist, bedeutet noch nicht, dass hohe Dosen eine Krankheit behandeln können. Die Studien zu Erkältungen zeigen diesen Unterschied deutlich.

Verhindert die tägliche Vitamin-C-Tablette eine Erkältung?

Für die meisten Menschen lautet die Antwort: nicht in einem praktisch bedeutsamen Ausmaß.

Eine große wissenschaftliche Übersicht der Cochrane Collaboration untersuchte Studien mit mehr als 11.000 Teilnehmenden. Die regelmäßige Einnahme senkte das Erkältungsrisiko in der Allgemeinbevölkerung kaum.

Eine Ausnahme zeigte sich bei Menschen unter kurzfristiger, extremer körperlicher Belastung – etwa bei Marathonläufern oder Soldaten während Übungen in großer Kälte. In diesen besonderen Situationen war das Erkältungsrisiko ungefähr halbiert. Das lässt sich jedoch nicht einfach auf einen anstrengenden Arbeitstag oder den üblichen Freizeitsport übertragen. 

Kann Vitamin C eine Erkältung verkürzen?

Hier zeigen die Studien einen kleinen Vorteil – wenn Vitamin C bereits vor der Erkrankung regelmäßig eingenommen wurde.

In der Cochrane-Auswertung waren Erkältungen im Durchschnitt:

  • bei Erwachsenen etwa 8 Prozent kürzer,
  • bei Kindern etwa 14 Prozent kürzer.

Was bedeutet das im Alltag? Bei einer angenommenen Erkältungsdauer von sieben Tagen entsprechen 8 Prozent ungefähr einem halben Tag. Das ist ein Rechenbeispiel zur Einordnung, keine Vorhersage für den einzelnen Menschen. 

Auch die Beschwerden könnten etwas milder ausfallen. Eine 2023 veröffentlichte Auswertung von zehn Studien fand bei regelmäßiger Einnahme von mindestens einem Gramm täglich eine durchschnittliche Verringerung der gemessenen Beschwerdeschwere um etwa 15 Prozent.

Allerdings beruhte diese neuere Analyse auf überwiegend älteren Studien. Beschwerden wurden zudem unterschiedlich erfasst. Aus dem Ergebnis lässt sich deshalb weder eine sichere Wirkung für jeden Menschen noch eine allgemeine Empfehlung für hohe Dosen ableiten. 

Was bringt Vitamin C, wenn die Nase schon läuft?

Genau dann greifen viele Menschen zur Brausetablette. Die Studien liefern dafür aber keinen verlässlich nachgewiesenen Vorteil: Wird Vitamin C erst nach Beginn der Beschwerden eingenommen, verkürzt es die Erkältung nicht eindeutig und lindert die Symptome nicht zuverlässig.

Die Zahl solcher Behandlungsstudien ist begrenzt. Ein möglicher Nutzen lässt sich daher nicht vollständig ausschließen. Das Versprechen „Vitamin C nehmen und morgen wieder gesund sein“ ist wissenschaftlich jedoch nicht gerechtfertigt.

Wie viel Vitamin C brauchen wir überhaupt?

Für gesunde Erwachsene empfehlen die deutsch-österreichischen Referenzwerte täglich:

  • 95 Milligramm für Frauen
  • 110 Milligramm für Männer

Raucherinnen und Raucher sowie Schwangere und Stillende haben einen höheren Bedarf.

Diese Mengen lassen sich normalerweise mit einer abwechslungsreichen Ernährung erreichen. Gute Quellen sind beispielsweise Paprika, schwarze Johannisbeeren, Zitrusfrüchte und verschiedene Kohlsorten. Eine Vitamin-C-Tablette ist dafür meist nicht notwendig.

Ein tatsächlicher Mangel sollte selbstverständlich behoben werden. Das ist allerdings eine andere Situation als die Einnahme zusätzlicher hoher Dosen bei bereits ausreichender Versorgung. 

Ist viel Vitamin C wenigstens harmlos?

Hohe Dosen können Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe verursachen. Dass Vitamin C wasserlöslich ist, macht große Mengen nicht automatisch unbedenklich. Bei Nierenerkrankungen oder einer Neigung zu bestimmten Nierensteinen sollten hoch dosierte Präparate ärztlich besprochen werden.

Eine große Beobachtungsstudie fand bei Männern einen Zusammenhang zwischen hoher Vitamin-C-Zufuhr aus Präparaten und einem erhöhten Nierensteinrisiko. Ein solcher Zusammenhang beweist für sich allein keine Ursache, spricht aber gegen die Vorstellung, hohe Dosen seien grundsätzlich risikofrei.

Für den Alltag heißt das: Versorgen Sie Ihren Körper ausreichend mit Vitamin C, am besten über die Ernährung. Erwarten Sie von zusätzlichen Präparaten keinen sicheren Schutz vor Erkältungen. Regelmäßige Einnahme kann einen kleinen Vorteil bringen – eine schnelle Behandlung beim ersten Schnupfen ist damit nicht belegt.

Medizinische Quellen

Über den Autor

Medizinisch überprüft von Priv.-Doz. Dr. Alois Süssenbacher

 

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig überprüft und bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert.

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Aktualität

Erstellt am: 14. Oktober 2026

Autor: Dr. Alois Süssenbacher

Fachliche Prüfung: Dr. Alois Süssenbacher

Geplante Überprüfung: Oktober 2027